Wie gross ist eigentlich das Staatsarchiv?

Wir haben uns diese Frage gestellt und sogleich gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist die Grösse eines Archivs zu bestimmen. Man kann zum Beispiel über das Staatsarchiv sagen, dass es ein siebenstöckiges, verwinkeltes Gebäude an der Martinsgasse ist, doch dann hat man noch gar nichts über die Grösse des Bestandes ausgesagt. Auch die Anzahl Signaturen wäre nur mässig aussagekräftig, da man wiederum nicht weiss wieviel Platz dafür gebraucht wird. Deshalb bleiben wir mal bei der gängigen Einheit: dem Laufmeter. Wir konnten herausfinden, dass das Staatsarchiv Basel momentan rund 22’000 Laufmeter beherbergt. Tendenz logischerweise steigend. Wenn man also beim Staatsarchiv beginnen würde, alle Regalbretter einzeln aneinanderzulegen, würde man bis zum Schloss Ebenrain in Sissach kommen. Doch wie passt dies alles in das Gebäude an der Martinsgasse?

Die Antwort lautet wenig überraschend: Gar nicht! Deshalb unterhält das Staatsarchiv sogenannte Aussenstellen und -magazine. Eines davon befindet sich gleich gegenüber des Staatsarchivs im Keller des Weissen Hauses (das im übrigen hellblau ist, warum auch immer). Zwei weitere davon befinden sich auf dem Dreispitz-Areal. Aus diesem Grund können gewisse Archivalien auch nur einmal pro Woche in den Lesesaal bestellt werden. Es muss also sorgfältig ausgewählt werden, welche Teile des Bestandes extern gelagert werden, um möglichst wenige umständliche Transporte durchführen zu müssen. Dies ist natürlich auch im Sinne der Archivalien selbst. Besonders ältere Objekte sind froh, wenn sie nicht allzu oft bewegt werden.

Wir hatten das Privileg, die Aussenstelle im Weissen Haus besichtigen zu dürfen. Der Abstieg in den Keller erfolgt über eine wunderbar breite Treppe und man findet sich in einem schönen gewölbten Keller wieder. Wo im 19. Jahrhundert womöglich der Weinvorrat der Sarasins lagerte, befinden sich heute 1200 Laufmeter voller Dokumente. In erster Linie handelt es sich um die Akten der Einwohnerkontrolle sowie des Staatsschutzes. Einige davon unterliegen noch der Schutzfrist, weshalb wir uns diese auch nicht näher anschauen durften. Ausserdem befindet sich in diesem Keller eine kleine Arbeitsnische. So können Rechercheanfragen, welche die Dokumente der Einwohnerkontrolle betreffen, direkt vor Ort bearbeitet werden. Da diese rund einen Drittel der etwa 2000 Anfragen pro Jahr ausmachen, kann so einiges an logistischem Aufwand eingespart werden. Zudem werden die Objekte und die Rücken der Angestellten geschont. Die älteren Akten der Einwohnerkontrolle sind nämlich zu ziemlich dicken und schweren Folianten gebunden. Im Keller gibt es zwar einen kleinen Bücherstapler. Den Weg nach oben macht aber auch der nicht einfacher.

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Nach einer knappen Stunde stiegen wir wiederum nach oben – zwar ohne dicke Folianten, aber immerhin wissen wir jetzt, wo sie sich befinden. Und ihr auch. Ab heute ist das Staatsarchiv übrigens wegen Revisionsarbeiten eine Woche lang geschlossen. Wir haben aber vorausgeplant. Auch nächsten Montag werdet ihr wieder pünktlich am Montagmorgen mit Einblicken ins Staatsarchiv versorgt…stay tuned!

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